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100 Jahre Gelsenkirchener Tennisklub
(aus den Festschriften)
100 Jahre Gelsenkirchener Tennisklub, das bedeutet auch 100 Jahre Gelsenkirchener Geschichte. Grund genug also, einmal zurückzugehen und zu sehen, in welch besonderer Weise sich die Stadtgeschichte Gelsenkirchens auch in der Geschichte des Gelsenkirchener Tennisklubs wiederspiegelt.
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Nichts könnte diese Verbundenheit zwischen Stadtgeschichte und Klubgeschichte mehr verdeutlichen als die Gründung des Gelsenkirchener Tennisklubs. Am Anfang stand hier, wie fast immer im Ruhrgebiet, die Zeche. Seine Entstehung verdankt der GTK nämlich in erster Linie der Tatsache, dass die erwachsenen Töchter einiger leitender Herren der Zeche Consolidation »unter Langeweile und einem Mangel an sportlicher Betätigung« litten, so ein Chronist aus damaliger Zeit. |
Durch die Initiative des damaligen Generaldirektors dieses Steinkohlebergwerks in Gelsenkirchen-Schalke, Bergrat Otto Max Müller, wurden im Jahre 1902 die Tennisplätze am Luftschacht der besagten Zeche gegründet. Die beiden Plätze lagen an der Kaiserstraße (heute: Kurt-Schumacher-Str.) ungefähr auf Höhe des heutigen Gesundheitsamtes. Die recht primitiven Umkleideräume befanden sich im Keller des Maschinenhauses des Luftschachtes. Offiziell wurde die neue Vereinigung »Gelsenkirchener Tennisklub« getauft, und sie zog sehr schnell Mitglieder an. Der Landrat Dr. Wilhelm Hammerschmidt übernahm 1902 als erster den Vorsitz des Vereins. |
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Nur wenige Wochen zuvor war am 19. Mai 1902 der Deutsche Lawn Tennis Bund in Berlin gegründet worden, aus dem später der Deutsche Tennisbund wurde. Das Tennisspiel war zu dieser Zeit noch nicht als »richtiger Sport« anerkannt, es galt vielmehr als Mittel zum Zweck, nämlich in angenehmer Gesellschaft fröhlich zusammen sein zu können. Auch kämpfte der Klub mit kleineren Anfangsschwierigkeiten. Als besonders lästig wurde dabei die Tatsache empfunden, dass die Tennisbälle nach jedem Spiel vom Kohlenstaub reingewaschen werden mussten.
Sowohl der gesellschaftliche als auch der sportliche Aufschwung erlitten durch den direkten Einfluss geschichtlicher Ereignisse 1914 einen schweren Dämpfer. Mit Ausbruch des 1. Weltkrieges und den sich daraus ergebenden Folgen kam das gesellschaftliche und sportliche Leben vollständig zum Erliegen. Nach Kriegsende 1918 erholte sich der Klub aber schnell. |
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Besonders der Initiative des Apothekers Max Janitzki war es hierbei zu verdanken, dass sich die Klubmitglieder wieder zusammenfanden. Selbst die Ruhrbesetzung in den Jahren 1923 bis 1925, als die Franzosen die Plätze nur abends freigaben, konnte die Mitglieder nicht entmutigen. In diesen Zeitraum fällt auch der Bau des ersten Klubhauses im Jahre 1924. |
Bald allerdings zeigte sich die inzwischen vier Plätze umfassende Anlage am Luftschacht als überlastet, sodass sich der Gelsenkirchener Tennisklub nach einer neuen Bleibe umsehen musste. Hier sprang die Stadt Gelsenkirchen in die Bresche, die dem Klub das jetzige Grundstück im Stadtgarten zur Verfügung stellte und gleichzeitig die Plätze erstellte. Dass der Umzug möglich wurde, verdankte der Verein in erster Linie dem damaligen Finanzdezernenten der Stadt Gelsenkirchen und gleichzeitig ersten Vorsitzenden des GTK Herrn Dr. Gärtner. Als Ausdruck der Verbundenheit der Stadt gegenüber wurde daraufhin beschlossen, die Stadtfarben Gelsenkirchens in das Klubwappen aufzunehmen.
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Die Einweihung der vorläufig sechs Plätze fand am 25. Juni 1927 statt. Somit war erstmals ein solides Fundament für die Ausübung von Turniertennis gegeben. |
Dem Zeitgeist der Weimarer Republik folgend entwickelte sich zwischen 1920 und 1930 ein erneuter Aufschwung. Dieser zeigte sich sowohl in gesellschaftlichen Veranstaltungen als auch durch die Ausrichtung leistungsorientierter Turniere. Auch durch den ab 1933 einsetzenden Nationalsozialismus zeigte sich der Klub zunächst in seinem allgemeinen Aufschwung nicht beeinträchtigt. |
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1934 führte die Fusion mit dem Tennisclub Blau-Weiß Gelsenkirchen und die Erstellung eines siebenten Platzes mit Zuschauerrängen (des heutigen M 1) zu einer weiteren Vergrößerung des Gelsenkirchener Tennisklubs.
Der 2. Weltkrieg von 1939 - 1945, verbunden mit der fast völligen Zerstörung des Ruhrgebietes, ging natürlich auch nicht am Gelsenkirchener Tennisklub vorbei. Die Anlage bot nach dem Kriege ein trostloses Bild. An eine Wiederaufnahme des Tennisspiels war vorerst nicht zu denken. Die Plätze waren von Bombeneinschlägen zerstört und mit Moos überwachsen. Auf Platz M 1 wuchsen mannshohe Sträucher. Auch das Klubhaus hatte erheblichen Schaden erlitten. In dieser schwierigen Phase übernahm Dr. Dr. Deppermann den Vorsitz über den Verein, und sowohl seinem als auch dem Einsatz der Mitglieder war es zu verdanken, dass bereits 1946 wieder vier Plätze bespielbar waren. Dabei gab es noch viele Hürden zu überwinden, wie eine Forderung in der Turnierausschreibung von 1946 belegt: "Teilnahmeberechtigt sind nur Spieler, die der Turnierleitung den Besitz von zwei Bällen nachweisen können"!
Von nun an erholte sich der Klub, wie auch die ganze Region, zusehends. Dass im Jubiläumsjahr 1952 der Gelsenkirchener Tennisklub schließlich die Deutschen Nationalen Meisterschaften ausrichten durfte, wurde von vielen als ein Verdienst des Sportwarts Kerl angesehen; er organisierte und leitete damit sein 20. Turnier. Zugleich durfte unser Klub die Vergabe der Nationalen Meisterschaften durch den DTB als eine ehrenvolle Anerkennung seiner durch fast 50 Jahre geleisteten sportlichen Arbeit ansehen. |
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Einige Wochen später - inzwischen verfügte der GTK schon über neun Plätze - konnte beim Pokalkampf Westfalen gegen Niedersachsen auch der »Tennisbaron« Gottfried von Cramm auf der Anlage im Stadtgarten begrüßt werden. Die Doppelbegegnung von Cramm/Denker, ein eingespieltes Daviscup-Doppel, gegen Sanders/Biederlack lockte über 2000 Zuschauer auf die Tribünen unseres Meisterschaftsplatzes. |
Anfang 1953 ging ein Wunschtraum des Vereins in Erfüllung: Auf den Plätzen gegenüber dem Klubhaus wurde eine der ersten Tennishallen Westdeutschlands erbaut. Es handelte sich hierbei um eine Holzkonstruktion mit Zeltdach, sodass man nun auch im Winter Tennis spielen konnte.
Ein neuer Vorstand formierte sich unter der Führung von Klaus Schilling im Jahre 1969. Mit viel Elan ging eine junge Vereinsführung an Aufgaben wie z.B. die Förderung der Jugendarbeit, die Renovierung des Klubhauses und der Vorbereitungen zur Erstellung einer neuen Halle. Die 15jährige Tätigkeit des früheren Präsidenten Molwitz erhielt ihre äußere Anerkennung: Er stiftete den Molwitz-Pokal, der seitdem unter den Gelsenkirchener Tennisvereinen ausgespielt wird. |
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Auch sportlich machte der Klub gute Fortschritte. So zählten die Poensgen- und die Medenmannschaft in den sechziger und siebziger Jahren zur westfälischen Spitze. Außerdem wurden die Arbeiten an einer neuen Tennishalle mit Eifer vorangetrieben. 1972 konnte mit dem Bau einer Halle begonnen werden, die in Anwesenheit des DTB-Sportreferenten, unseres Mitglieds Hermann Kerl, am 8. November 1972 feierlich eingeweiht wurde. |
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Damit befinden wir uns nun schon in der »Neuzeit« des Gelsenkirchener Tennisklubs, denn die letzte wesentliche Neuerung fand 1983 statt: Zur Saisoneröffnung konnten zwei weitere Plätze eingeweiht werden (die Plätze 6 und 7), womit die Anlage nunmehr 10 Plätze umfasste. Gleichzeitig erfolgte eine Renovierung des Klubhauses, das von nun an wieder ein attraktives Erscheinungsbild bot. Im September desselben Jahres fanden sich dann die besten Tennisspieler Deutschlands zu einem vielbeachteten Masters-Turnier im Stadtgarten ein. 2000 begeisterte Zuschauer erlebten den Sieg von Michael Westphal gegen Karl Meiler im Endspiel. |
Zwar blieben seit Anfang der Achtziger Jahre bedeutende sportliche Erfolge aus - die 1. Herrenmannschaft stieg sogar in die 1. Bezirksklasse ab, und keine andere Mannschaft sonst spielte auf Verbandsebene - vollzog sich Mitte der Achtziger Jahre ein Neuanfang: Der Gelsenkirchener Tennisklub hat heute wieder Chancen, an alte Traditionen anzuknüpfen. Tennis ist inzwischen in Deutschland zum Volkssport Nummer drei herangewachsen. Während der Deutsche Tennisbund 1950 noch unter 70.000 Mitglieder besaß, zählt er fünfzig Jahre später knapp 2 Millionen Aktive. Dieser Entwicklung trägt auch der Gelsenkirchener Tennisklub Rechnung, indem er heute allen an Tennis Interessierten im Stadtgarten ein sportliches und gesellschaftliches Zuhause bietet.
100 Jahre Vereinsgeschichte - ein sicherlich kurzer Zeitraum in der Geschichte und doch eine fast unüberschaubare Vielzahl von Ereignissen. Heute sind es nur noch wenige, die sich an all die Namen erinnern können, ohne die der Klub in der heutigen Form nicht bestehen würde. Ihnen allen sei an dieser Stelle gedankt. Genannt seien hier insbesondere die Gründer, die Sportler und die Spender, die Ehrenmitglieder, besonders aber auch die ehrenamtlich tätigen Mitglieder, die im Laufe der Jahre unzählige Stunden an Arbeit für den Verein geleistet haben. Dank gebührt aber auch der Stadt Gelsenkirchen, ohne deren freundliche Unterstützung der Verein niemals seine in Westfalen fast einzigartige Lage mitten im Stadtgarten erhalten hätte.

